Primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT)
Krankheitsbild
Der primäre Hyperparathyreoidismus entsteht durch eine Erkrankung der Nebenschilddrüse. Der Begriff Primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT) erklärt sich folgendermaßen:
- "primär", da es sich um eine unmittelbare Erkrankung und nicht um die Folgeerkrankung von chronischem Nierenversagen handelt. In dem Fall spricht man von sekundärem. Hyperparathyreoidismus (sHPT).
- "Hyperparathyreoidismus", da es sich um eine Überfunktion (Hyper) der Nebenschilddrüsen (Parathyreoidea) handelt.
Die Bedeutung von Kalzium und Phosphat
Kalzium und Phosphat sind für eine Reihe von Körperfunktionen unabdingbar. Daher ist es sehr wichtig, dass der Kalzium-Phosphat-Haushalt streng reguliert wird und nicht außer Kontrolle gerät.
Kalzium wird mit der Nahrung aufgenommen und zu 99% im Skelett gespeichert. Bei ungenügender Zufuhr bzw. bei Kalziummangel kann der Körper Kalzium aus den Knochen freisetzen. Eine wichtige Rolle spielt Kalzium beispielsweise bei der Kontraktion des Herzmuskels und der übrigen Muskulatur.
Phosphat ist in vielen Zellbestandteilen, z.B. in Zellmembranen und im Erbgut, enthalten und dient als Energieträger. Ähnlich wie bei Kalzium liegt auch bei Phosphat der Großteil, nämlich ca. 80% des Gesamtkörperbestands, im Knochengewebe gespeichert vor. Der Rest ist in Weichteilgeweben und im Blut verteilt.
Bei einem gesunden Menschen wird der Kalzium- und Phosphathaushalt über einen komplexen Mechanismus reguliert. Sinkt der Kalziumgehalt im Blut stark ab, so schüttet die Nebenschilddrüse verstärkt Parathormon aus. Das Parathormon regt die Niere an, mehr Phosphat auszuscheiden und mehr Kalzium aus dem Primärharn zurückzubehalten. Ausserdem produziert die Niere mehr aktives Vitamin D (Calcitriol). Dadurch wird wiederum die Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus dem Darm gesteigert. Zudem stimuliert das Parathormon die Freisetzung von Phosphat und Kalzium aus den Knochen. In der Summe dienen diese Maßnahmen dazu, den Kalzium- und den Phosphatspiegel auf ein Normalniveau zu regulieren.
Ist der Kalziumspiegel im Blut wieder ausreichend hoch, so reduziert die Nebenschilddrüse die Ausschüttung von Parathormon und die oben beschriebenen Freisetzungsprozesse unterbleiben.
Bedeutung und Folgen
Der primäre Hyperparathyreoidismus hat vielfältige Folgen. Es sind v.a. die Verkalkung von Gefäßen und Weichteilen sowie die Schädigung des Knochenstoffwechsels, die zu schweren Komplikationen für die Betroffenen führen können.
Verkalkung von Gefäßen
In Folge des gestörten Kalzium-Phosphat-Haushaltes kann es zu Kalkablagerungen in Gefäßen und Weichteilen kommen. Die Kalkablagerungen verhärten die entsprechenden Gefäße und Gewebe. Die Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden.
Bilden sich Verkalkungsherde in der Haut, können sich daraus schlecht heilende Geschwüre bilden. Oftmals verursachen der erhöhte Parathormonspiegel bzw. die Kalziumphosphat-Ablagerungen ein lästiges Hautjucken.
Lesen Sie hier mehr zu Symptomen und Befund des pHPT.
